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Hundert Mann und ein Befehl

Männer-Quartett Sterkrade-Heide beim Jahreskonzert in der Luise-Albertz-Halle gefeiert. Stargast Deborah Sasson zeigte besonders im Musical-Bereich das gewisse Händchen. Ein halbes Dutzend Zugaben

Wenn die Hundertschaft des Männer-Quartetts Sterkrade-Heide die Bühne betritt (die Homepage nennt in der Tat die Traumzahl von "ca. 95 aktiven Sängern"), dann ist das schon ein wesentlicher Bestandteil der Programmdramaturgie. Bis die mal alle an Ort und Stelle stehen, ist der Besucher schon beeindruckt, bevor er den ersten Ton gehört hat. Das Erfreulichste: Masse ersetzt hier keineswegs Klasse. Was Chorleiter Stefan Lex da über die Jahre geformt hat, wie er es versteht, diesem riesigen Klangkörper feinste dynamische Nuancen zu entlocken, bei stets gesicherter Ausgewogenheit der Stimmen und größter Textverständlichkeit, das hat im besten Sinne was von "Hundert Mann und ein Befehl".

Beim Jahreskonzert im Saal Berlin der Luise-Albertz-Halle - Motto: "Goldener Herbst" - waren diese Tugenden immer wieder spürbar. Etwa ein Chorsatz wie Schuberts "Die Nacht" bekam nicht zuletzt durch die exakte Intonation eine Klarheit, ein "So-und-nicht-anders", eine atmosphärische Dichte, der man sich nicht entziehen konnte. Und Temperamentvolles wie "Wenn Zigeuner Hochzeit machen" kam dank rhythmischer Präzision ebenfalls wirkungsvoll rüber. Die Pianistin Sigrid Althoff war an vielen Chorsätzen beteiligt und stets eine souveräne Begleiterin.

 

Ihren eigenen Pianisten hatte die Sopranistin Deborah Sasson mitgebracht: Iwan Urwalow. Opernliteratur wie die Arie der Lauretta aus "Gianni Schicchi" offenbarte einige Unsicherheiten der Sängerin in den Höhen, die durch das Kampf-Tremolo nicht wirklich verdeckt werden konnten.

Besser der Eindruck etwa in der Habanera aus "Carmen" oder erst recht in Musical-Melodien von "My Fair Lady" bis "West Side Story": Da hatte Deborah Sasson das gewisse Händchen, ob sie solo sang oder, wie hier wiederholt geschehen, im Duett mit Lex, was beim Publikum besonders großen Eindruck hinterließ.

Repertoirepfeiler des zweiten Programmteils waren die Operetten "Maske in Blau" und "Die lustige Witwe" mit ihren zahlreichen Evergreens, die natürlich für Stimmung sorgten.

Die Begeisterung allenthalben natürlich groß - und auch die Bereitschaft der Sänger, für den anhaltenden Applaus zu danken: Schließlich war es dann ein halbes Dutzend Zugaben, auch Lex der Tenor setzte mit "Freunde, das Leben ist lebenswert" noch eins drauf.

Von Hajo Berns

09.10.2006/WAZ

 

Goldener Herbst in der Stadthalle

CHORWESEN. Bejubeltes Jahreskonzert des Männer-Quartetts Sterkrade-Heide. Sangesfreude war am Ende kaum zu bremsen: sechs Zugaben.

"Goldener Herbst" - unter diesem Titel feierte das Männer-Quartett Sterkrade-Heide unter der Leitung von Stefan Lex sein gut dreistündiges Hauptkonzert, in bewährter Weise begleitet von der versierten Pianistin Sigrid Althoff.

Zu Gehör kamen nach "klassischem" Einstieg mit Mozart, Schubert und einer Elgar-Bearbeitung russisch nachempfundene Lieder von G. Anton. Im zweiten Teil lag dann das Schwergewicht auf Operettenmelodien von Meisel, Dostal, Raymond und Lehár.

Auch für jemanden, der den Chor kennt, ist es immer wieder erstaunlich zu hören, mit welcher rhythmischen und deklamatorischen Präzision, durchgestalteter Phrasierung und klanglichen Sensibilität ein solch riesiger Chor alle seine Vorträge gestaltet. Dabei wirkt das Ganze in erster Linie nicht als Ergebnis harter Arbeit, was es natürlich ist, sondern als Ausdruck einer Sangesfreude, die am Ende kaum zu bremsen scheint, wie sechs Zugaben zeigten. Auf diese Weise klingt Schuberts "Nacht" feinnervig-romantisch ohne Sentimentalität, bekommen kesse Operettenmelodien den ihnen zukommenden "Pfiff", wird Triviales veredelt.

 

Stargast Deborah Sasson

Als Stargast hatte man die bekannte Sopranistin Deborah Sasson verpflichtet, begleitet wurde sie von dem ausgezeichneten Pianisten Iwan Urwalow. In zwei Programmblöcken widmete sie sich neben Opernmelodien von Puccini, Verdi und Bizet vor allem Musicals von Bernstein, Loewe und Lloyd-Webber.

Auch wenn ihre Auftritte als "Show-Teil" angekündigt waren, stand doch die überzeugende, glaubhafte Gestaltung im Vordergrund, besonders beeindruckend die Carmen-Habanera und die spanischen Lieder von Rodrigo und Cano. Die Wirkung wäre vielleicht noch besser gewesen, wenn man aus der Verstärkung den Hall herausgenommen hätte.

Einen besonderen "Kick" bekamen die Show-Teile zudem durch den Auftritt des Chorleiters Stefan Lex als Solist und Duett-Partner von Deborah Sasson, neben der er sich stimmlich, gestalterisch und auch darstellerisch als gleichrangig erwies. Herrlich etwa sein leicht "beschwipster" Graf Danilo auf dem Weg ins "Maxim". (Dy)

09.10.2006/NRZ