| Es ist ja eine schöne Sitte, dass im Dezember alle möglichen
Institutionen, die auch nur entfernt etwas mit Musik zu tun haben, für
ihre Mitglieder und Freunde ein Weihnachtskonzert veranstalten. Dass
sich fast alle in einer gewissen Selbstgenügsamkeit ähneln, liegt in
der Natur der Sache begründet. Einige sprengen allerdings den Rahmen
des Üblichen, wie zum Beispiel das Weihnachtskonzert des
Männer-Quartetts Sterkrade-Heide in der Liebfrauen-Klosterkirche am
Samstag und Sonntag.
Der Freundeskreis des Chores ist offenbar so groß, dass die nicht
gerade kleine Kirche an zwei Abenden überfüllt ist. Das hängt sicher
nicht nur mit seiner schieren Größe von rund 100 Sängern zusammen,
sondern mehr noch mit der seit Jahren bekannten Qualität seiner
Darbietungen, die er unter der eindringlichen, suggestiven Leitung
seines Dirigenten Stefan Lex entfaltet.
Schon das harmonisch austarierte Klangbild, das im Piano keine
Mattigkeit, im Fortissimo keine Schärfe hat, nimmt den Zuhörer sofort
gefangen. Hinzu kommt eine gerade bei dieser Größe immer wieder
erstaunliche rhythmische und artikulatorische Präzision und eine
gestalterische Präsenz, die auch aus gerade bei solchen Anlässen immer
wieder gesungenen Allerweltsstücken unmittelbar empfundene Musik macht.
Frei und unangestrengt
Als Kontrast zum dunkel getönten Männerchor hatten die Sänger den
Damenchor "Eintracht-Harmonie" aus Wetter-Oberwengern zu Gast. Dass
dieser Kontrast wirklich nur klanglicher, nicht auch qualitativer Natur
war, dafür sorgte schon die unverkennbare dirigentische Handschrift von
Stefan Lex, der die frei und unangestrengt geführten Frauenstimmen zu
ähnlich eindringlicher Gestaltung animierte wie den Männerchor,
vielleicht noch nicht ganz so ausgereift.
Auch die beiden Solo-Sopranistinnen des Abends kamen aus diesem Chor
aus dem Ruhrtal: Die mit einigen Soloeinlagen in volkstümlichen Liedern
leider etwas wenig beschäftigte Sabine Hubert und Angela Hölscher, die
mit großer Stimme Stücke von Franck, Humperdinck, Reger und Dostal bot.
Besonders eindrucksvoll ihr Zusammenwirken mit dem Männerchor in Verdis
"Du hohe Himmelskönigin", wie überhaupt die harmonische Verbindung von
Frauen- und Männerstimmen auch musikalisch immer noch am schönsten ist,
wie sich im abschließenden "Vespergesang" von Bortnianski zeigte.
Apropos harmonisches Zusammenwirken: Nach dem Dirigenten war dessen
Ehefrau, Sigrid Althoff, als zuverlässige Begleiterin am Klavier am
meisten beschäftigt. Für die Orgelimprovisation zum Einzug und
feierliche Klänge zwischendurch sorgte wie immer Veit Jürgen
Zimmermann.
|